Tempi / Τέμπη
Tempe ist das Durchbruchstal zwischen dem Olymp- und dem Ossa-Gebirge. Es ist rund 8 km lang und an seiner engsten Stelle gerade einmal 40 Meter breit. Das Tal bildet die wichtigste natürliche Verbindung von Thessalien hinüber nach Makedonien – hier verlief jahrzehntelang die stark befahrene Nationalstraße von Thessaloniki nach Athen, flankiert von der Haupteisenbahnlinie.
Da sich der gesamte Fern- und Schwerlastverkehr zwischen den beiden größten Städten Griechenlands durch die enge Felsschlucht zwängen musste, kam es hier früher häufig zu verheerenden Unfällen, begünstigt durch überhöhte Geschwindigkeit, schwere Steinschläge und Starkregen.
Update 2017
Am 3. April 2017 wurde die neue Trasse der Autobahn A1 (Europastraße 75) feierlich in Betrieb genommen. Damit wurde einer der gefährlichsten Engpässe des griechischen Straßennetzes entschärft: Im malerischen, aber tückischen Tempi-Pass war es in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder zu schweren Unglücken gekommen. Gerade für ortsunkundige Touristen stellte die schmale Straße eine echte Herausforderung dar – durch die neue Autobahnführung entspannte sich die Verkehrslage grundlegend.
Update 2018
Die Fahrt über die alte Talstraße gestaltet sich nun wie erwartet ausgesprochen ruhig. Es sind kaum noch Fahrzeuge unterwegs, und vor allem quälen sich keine schweren Lkw mehr durch die engen Schluchtkehren. Die Kehrseite der Modernisierung: Fast alle Tankstellen, Ausflugslokale und Läden im Tal mussten mangels Durchgangsverkehr schließen, manche Abschnitte gleichen fast einer Geisterstadt.
Die neuen Omolion-Tunnel (Σήραγγα Ομόλιον) verkürzen die Reisezeit enorm; für die Passage wird eine Autobahnmaut fällig (damals rund 3,80 Euro). Die Tunnelbauwerke sind meisterhafte Ingenieurleistungen: Der Omolion-Tunnel 1 beginnt am Talausgang nahe Tempe (Richtung Thessaloniki) und misst 1,9 km. Es folgt der Sergio-Sciani-Tunnel (Omolion-Tunnel 2) mit einer beachtlichen Gesamtlänge von 6,1 km.
Landschaftlich ist das Tal von einer überwältigenden Schönheit und das ganze Jahr über üppig grün. Uralte, mächtige Platanen mit weit verschlungenen Wurzelwerken säumen die Ufer. Selbst im Hochsommer herrscht im schattigen Talgrund eine wunderbar angenehme Kühle.
Entlang der alten Straße gibt es beidseitig Parkbuchten (auf die Hinweisschilder nach „Agia Paraskevi“ achten). Von dort aus führte eine markante Hängebrücke über den 217 km langen Fluss Peneios (Πηνειός / Pinios) hinüber zur Felsenkirche Agia Paraskevi (Αγία Παρασκευή), die direkt in die senkrechte Felswand hineingebaut wurde.
Am östlichen Ende der Anlage verbirgt sich eine heilige Quelle, die man über glatte Steinstufen durch einen schmalen Felsspalt erreicht – für Menschen mit ausgeprägter Platzangst allerdings eher ungeeignet. Das Quellwasser tritt unterirdisch aus dem Felsen und fließt direkt in den Peneios. Der antiken Mythologie zufolge soll sich hier Gott Apollon von der Schuld reingewaschen haben, die er durch die Tötung des Drachen Python auf sich geladen hatte. Heute füllen Gläubige und Reisende das Quellwasser andächtig in kleine Flaschen ab oder trinken direkt an der Fassung.
Update 2024
Im September 2023 richtete das Sturmtief „Daniel“ in ganz Thessalien verheerende Hochwasserschäden an. Auch das Tempi-Tal wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen: Die reißenden Fluten des Peneios zerstörten die historische Fußgänger-Hängebrücke zur Felsenkirche Agia Paraskevi vollständig. Der Übergang ist seither unpassierbar.
Die Aufnahmen der Zerstörung stammen von Jerome Dickmann (Facebook), der mir freundlicherweise erlaubt hat, sie hier zu veröffentlichen – herzlichen Dank dafür!
Inzwischen ist laut Griechischen Medien (tirnavospress.gr) die Reperatur der Hängebrücke gestartet und nun nahezu Abgeschlossen. Die Freigabe für Besucher war für Anfang September 2026 angekündigt. Die neue Fußgängerbrücke ist 93 m lang, etwa 1,5 m höher als die alte und soll sicherer und breiter sein.
Die kleine Ortschaft Tempi besteht aus wenigen alten Steinhäusern und wirkt auf den ersten Blick fast verlassen. Tatsächlich leben hier aber nach wie vor einige Einwohner. Der Ort liegt direkt am Fluss Pinios; sehenswert sind vor allem die Dreifaltigkeitskirche sowie die Ruine der osmanischen Hassan-Baba-Moschee. Entlang der alten Trasse zeugen die geschlossenen Betriebe vom Strukturwandel der Region.
Bei Tempi befindet sich die archäologische Ausgrabungsstätte „Chani Kokkonas“ (Χάνι Κοκκώνας). Der Name bedeutet übersetzt in etwa „Herberge der Kokkona“. Die Fundstelle wurde im Zuge der Vorarbeiten für den Autobahnbau entdeckt und zwischen 2008 und 2013 freigelegt. Dabei kamen bedeutende Strukturen aus mehreren Jahrtausenden zum Vorschein:
- Ein griechisch-hellenistischer Komplex mit Heiligtum, Tempelresten und Werkstätten.
- Ein byzantinischer Sakralbau („dromikos naos“) mit Säulenvorhalle.
- Ein byzantinisches Pandocheion – eine historische Straßenherberge für Durchreisende.
- Ein antiker Friedhof mit rund 50 Gräbern im Umfeld des Kirchenareals.
- Werkstättenreste, Töpferöfen und Infrastrukturen für Handwerk und Fernhandel.
- Silber- und Bronzemünzen vom 5. Jahrhundert v. Chr. bis zum 4. Jahrhundert n. Chr.
Die Ausgrabungsstätte wurde 2017 offiziell für Besucher hergerichtet und freigegeben.
- Juni 2011
- März 2013
- Oktober 2018
- Region: Thessalien
- Regionalbezirk: Larisa
- Gemeinde: Tempe
- Lage: Tempi-Tal
- Thessaloniki / Θεσσαλονίκη: ca.133 Km
- Larisa / Λάρισα: ca.28 Km
- Volos / Βόλος: ca.85 Km
- Athen / Αθήνα: ca. 364 Km
(Quelle: Google Maps)